Yu-Gi-Oh! Duel Monsters

Yu-Gi-Oh war einer der ersten Animes, mit denen ich in meiner späten Kindheit / frühen Jugend in Kontakt kam. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich jeden Tag nach der Schule als Sechstklässlerin praktisch nach Hause rannte, um ja keine Folge zu verpassen. Nun, mehr als zehn Jahre später, habe ich es endlich hinbekommen diese Serie mir komplett anzusehen. Und auch wenn es viel gab, an das ich mich dabei gerne erinnere, so gab es auch negative Aspekte.

Zur Geschichte:
Der Teenager Yugi Mutou ist der Besitzer des Millennium Puzzle, einem geheimnisvollen Gegenstand, der ihm von seinem Großvater vermacht wurde. Laut diesem stammt das Puzzle aus Ägypten, genauer gesagt aus der Grabstätte eines Pharaoh, der vor 3.000 Jahren das Land regierte. Des Weiteren wird gesagt, dass derjenige, der das Puzzle zu lösen vermag, einen Wunsch frei hätte. Nach acht Jahren schafft Yugi es schließlich das Puzzle vollständig zusammenzusetzen, und wünscht sich Freunde fürs Leben. Jedoch war im Puzzle auch die Seele des 3.000 Jahre alten Pharaoh verborgen, der nun von Yugi befreit wurde, sich aber an nichts aus seinem früheren Leben erinnern kann. Auf der Suche nach seinen Erinnerungen und der Bedeutung der weiteren Millenniumsgegenstände machen sich Yugi und seine Freunde auf den Weg und erleben viele Abenteuer, deren Fokus größtenteils Duelle mit dem Kartenspiel „Duel Monsters“ bilden.

Soweit zur Geschichte, die auch schon Gegenstand meines ersten Kritikpunktes ist – sie wirkt leicht abgehackt. Dazu muss man sagen, dass gerade die Geschehnisse in der Duelist Kingdom Arc zum Großteil aus dem Manga bzw. der vorangegangenen Serie von 1998 („Season Zero“) entnommen und neu aufgegriffen wurden. Dagegen hätte ich prinzipiell nichts, wäre es nicht so, dass diese Umsetzung viel zu rapide und unzusammenhängend geschieht.

Nehmen wir zum Beispiel die allererste Folge, in der es zu einem Konflikt zwischen Yugi und Kaiba kommt:

[SPOILER]In dieser versucht Kaiba mit allen Mitteln eine Karte des Blue Eyes White Dragon in die Hände zu bekommen, wobei er soweit geht, dass Yugis Großvater am Ende ins Krankenhaus eingeliefert werden muss und Yugi gegen Kaiba ein Duell ausfechtet. Fast diesselben Ereignisse treten auch in der „Season Zero“ auf, mit dem großen Unterschied aber, dass Kaiba als Antagonist besser ausgearbeitet wird.
Es wird mehr von ihm gezeigt, unter Anderem, dass er es nicht nur auf den Blue Eyes White Dragon, sondern allgemein auf seltene Karten abgesehen hat, und das schon seit einer Weile. Zudem waren seine Methoden weit subtiler, aber auch stellenweise für mich erschreckender als die des „neuen Kaiba“. So kommt es vor, dass er in der „Season Zero“ die Karte nicht einfach klaut, sondern sie sich von Yugi ausleiht, nachdem er über viel Heimtücke sein Freund geworden ist. Heimlich tauscht er dann diese gegen eine Fälschung aus, die er Yugi zurückgibt. Nachdem Jounouchi und Honda ihn wegen diesem Schummel zur Rede stellen, schreckt er nicht davor zurück sie, und am Ende auch Yugi, von seinen Handlangern verprügeln zu lassen. Somit wirkte dieser Kaiba als Antagonist für mich glaubhafter, kaltblütiger und auch düsterer. Ihm ist jedes Mittel recht das zu erreichen, was er will, was im krassen Kontrast dazu steht wie „nett“ er am Anfang Yugi und seine Freunde behandelt hat, um sich ihr Vertrauen zu erschleichen.
Die Besessenheit des „neuen Kaiba“ die Karte des Blue Eyes White Dragon in die Finger zu bekommen, kommt jedoch quasi wie aus dem Nichts. Hier wird kein Hintergrund offenbart, dass er schon lange seltene Karten von Menschen abzweigt und deswegen hinter der Karte von Yugis Großvater her ist, sondern es geht ihm nur darum, dass diese eine Karte niemals gegen ihn verwendet wird. Entschuldigung, aber – ernsthaft?! Ich kaufe es einfach nicht ab, dass jemand mit solch einem Motiv zu so extremen Methoden wie Diebstahl oder Körperverletzung greifen würde, nur um eine Karte zu bekommen. Zumal dieser Kaiba sehr unlogische Methoden anwendet – er kidnappt Yugis Großvater, der am Ende krankenhausreif ist, bekommt die Karte in die Hände, ruft dann Yugi an, um ihn zu sich zu bitten, damit er die Karte vor seinen Augen zerreißen kann? Bitte WAS?! Hätte es nicht gereicht die Karte nur zu stehlen und im Geheimen zu zerstören, wenn das doch von Anfang an sein Ziel war?
[/SPOILER]

Ich verstehe, dass man gerade in der ersten Folge einer neuen Serie Spannung aufbauen will, und was eignet sich dazu besser als ein Kampf à la „Gut gegen Böse“? Gerade Kinder als Zielgruppe sehen unlogische Handlungen von Antagonisten weniger eng, und auch ich habe damals nicht groß über Kaibas Motive und Handlungen nachgedacht. Dennoch – hätte man das Ganze so aufgefahren wie in „Season Zero“ und ihm mehr Spielraum gegeben sich als Antagonist zu etablieren, so hätte man das meiner Meinung nach besser gelöst.

Ein weiterer Kritikpunkt an der Geschichte ist, dass sie viel zu viele Filler Episoden enthält, die nicht wirklich viel zur Haupthandlung beitragen. Nicht umsonst gibt es das folgende unbekannte Zitat, das mehr als nur wahr ist:

People watch this show 90% for the plot and 10% for the card games. This show is 90% card games and 10% plot.

Die wichtigen Bausteine der Handlung finden erst in der finalen Staffel statt, während die vorangehenden Staffeln mehr oder minder immer nach demselben Schema aufgebaut sind: Es steht ein Turnier an, Yugi nimmt teilt, Yugi gewinnt das Turnier. Yeih, welch Spannung~
Hier hätte man öfters etwas mehr Abwechslung bieten können, wie es zum Beispiel in der Doom Arc geschah. In dieser kamen zwar immer noch Duelle mit Duel Monsters vor, aber es wurde mit dem Hintergrund um den Antagonisten Dartz, seinen Anhängern und dem Untergang von Atlantis auch ausreichend andere Handlung geboten.
(Und ja, mir ist bewusst, dass diese Arc die so ziemlich unbeliebteste von allen unter den Fans sind. Ändert dennoch nichts an dem Fakt, dass sie mal ein frischer Wind im Gegensatz zu den ganzen Turnier-Staffeln war.)

Jetzt habe ich so viel Kritik an der Handlung der Serie geübt, so dass man sich fragen mag, was ich überhaupt gut fand. Keine Sorge, da gab es so Einiges:
Ein Stichwort ist da „Charakterentwicklung“. Nehmen wir als Beispiel Yugi – am Anfang dachte ich er wäre ein schüchterner Typ, der nichts von allein hinbekommt und dessen Stärke nur auf seinem „anderen Ich“ (dem Pharaoh) beruht. Nun, zum Teil mag das gerade am Anfang stimmen, doch Yugis Charakter erfährt eine deutliche Wandlung – am Ende steht er für das ein, an das er glaubt, kann seine Meinung felsenfest vertreten und begibt sich mehr als einmal für seine Freunde in Gefahr. Ähnliches geschieht bei den Antagonisten, deren Handlungen und Motive von Episode zu Episode ausreichend und logisch nachvollziehbar ausgearbeitet werden. (Die goldene Ausnahme bildet da Kaibas Verhalten am Anfang der Serie.)
Schade finde ich es, dass dieses Potenzial bei Anzu, Honda und Jounouchi zum Großteil verloren geht. Diese entwickeln sich, bis auf ein paar Folgen seitens Jounouchi, nicht wirklich weiter und bleiben stets nur die „anfeuernden Freunde“.

Zweitens, obwohl ich sie wegen ihrer oft unzusammenhängenden Erzählweise und enormen Anzahl an Filler-Episoden kritisiert habe, mag ich es, dass die Handlung in Yu-Gi-Oh auch ernstere Töne anschlagen kann. Mehr als einmal spielt der Tod eine wichtige Rolle, sei es als Motiv für das Verhalten eines Antagonisten oder ganz ordinär als „Strafe“ für ein verlorenes Duell.
An dieser Stelle muss ich wirklich bemängeln, dass durch die amerikanische Zensur das verborgen wurde und man uns die Lüge vom „Reich der Schatten“ aufgeticht hat. Ich halte nichts davon schwere Themen wie den Tod zu überspielen, nur weil sie angeblich für eine „Kinderserie“ (wie Yu-Gi-Oh gehandhabt wurde) nicht geeignet sind. Eher finde ich es gut, dass man so etwas einbringt, da man sich so mit den Charakteren mehr verbunden fühlen kann. Es hinterlässt bei mir eben viel mehr Eindruck, wenn ein geliebter Charakter stirbt, als wenn er in ein abstraktes „Reich der Schatten“ geschickt wird, das es in der realen Welt nicht gibt und mit dem ich nicht wirklich etwas anfangen kann.

Und zu guter Letzt der wohl offensichtlichste Punkt – das Kartenspiel „Duel Monsters“ und dessen ganzen Strategien haben es mir angetan. Es war immer wieder ein Vergnügen mitzuverfolgen, wie sich Yugi und seine Freunde aus schwierigen Situationen befreien werden und wie der Gegner auf bestimmte Kombos reagieren wird. Nicht zuletzt habe ich dank der Serie mir ein eigenes Deck, sondern auch zahlreiche Videospiele des Franchises angeschafft, die sich mit dem Kartenspiel beschäftigen. Wenn die Serie schon unter Anderem auch als Werbefläche dafür genutzt wird, so muss ich sagen, dass sie zumindest effektiv ist.

Als Fazit kann ich schlussendlich sagen, dass ich nicht mehr das kleine Kind von damals bin und Yu-Gi-Oh nun etwas objektiver betrachten kann. Klar mag ich die Serie und ihre Charaktere immer noch, jedoch kann ich nun auch zugeben, dass sie neben ihren Stärken (Stichwort Charakterbildung und ernste Themen für eine „Kinderserie“) auch Schwächen hat, wie eben die Erzählweise der Handlung oder die massenhaften Filler – Episoden.
Es bleibt abzuwarten, ob die Nachfolgeserie (Yu-Gi-Oh GX) für mich in den Punkten Verbesserungen anzubieten hat.

Bewertung: 3 / 5

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