Koi to Uso

Als ein großer Fan des Mangas war die Nachricht, dass “Koi to Uso” einen Anime bekommt, für mich eine der schönsten Neuigkeiten überhaupt. Seit etwa April fieberte ich dem Start im Juli entgegen, und meine Erwartungen wurden noch erhöht, als der prestigereiche Seiyuu-Cast enthüllt wurde. Letzten Endes, nachdem ich nun alle Folgen gesehen habe, muss ich sagen, dass der Anime zweifellos gut ist. Allerdings gibt es auch Punkte, die mich stören, und auf die ich am Ende eingehen werde.

Zur Story:
Um sinkende Geburtsraten zu bekämpfen, setzte sich im Japan der Zukunft das so genannte „Yukari Gesetz“ durch. Mittels diesem wird jedem Teenager ab seinem oder ihrem 16. Geburtstag ein Partner zur Eheschließung zugeteilt. Wer sich gegen diesen Entschluss sträubt oder neben seinem zugewiesenen Heiratspartner noch andere Liebschaften unterhält, muss mit schwerwiegenden Konsequenzen rechnen.
In diesem Szenario lebt der Protagonist Yukari Nejima, der seit seiner Grundschulzeit in ein Mädchen namens Misaki Takasaki verliebt ist. Kurz vor seinem 16. Geburtstag trifft er sich mit ihr und gesteht seine Liebe. Misaki erwidert seine Gefühle, jedoch werden die beiden kurz darauf von zwei Angestellten der Regierung gestört. Diese sind gekommen, um Yukari noch die Mitteilung über seine zukünftige Heiratspartnerin zu überbringen. Unglücklicherweise handelt es sich bei seiner zukünftigen Frau nicht um Misaki, sondern um ein ihm unbekanntes Mädchen namens Lilina Sanada. Somit gerät Yukari in ein Liebesdreieck, in dem er mehr und mehr Gefühle für beide Mädchen entwickelt, sich am Ende aber für eine entscheiden muss.

Eine Sache, die ich sehr positiv im Vergleich zum Manga fand, war die Charakterentwicklung.
Jede der vier Hauptpersonen (Yukari, Misaki, Lilina und Yukaris Freund Yousuke Nisaka) bekommt ausreichend Freiraum sich charakterlich zu entfalten. Yukari, der am Anfang mehrmals seine Gefühle verleugnet, bemerkt nach und nach, wie viel ihm beide Mädchen wichtig sind und dass er keine von beiden verletzen will. Lilina entwickelt sich vom etwas schüchternen Tsundere-Typ zu einem Mädchen, dem das Wohl ihrer Freunde (vor allem Misaki) sehr am Herzen liegt und bereit ist dafür Opfer zu erbringen. Yousuke, der am Anfang sehr verschlossen, cool und mysteriös erscheint, offenbart bereits in den ersten Folgen etwas, was ihn im Nachhinein sehr verletzlich wirken lässt. Bei Misaki zeigt sich, dass hinter ihrem immer fröhlichen Lächeln nicht alles eitel Sonnenschein ist, sondern, dass auch sie unter den Ereignissen leidet, egal wie sehr sie es versucht zu verstecken.
Im Manga entwickeln sich die Charaktere zwar auch weiter, aber im Anime ist diese Entwicklung dank der hervorragenden Arbeit durch die Seiyuus noch mal eine Spur greifbarer. Freude, Trauer, Resignation, Wut – egal welches Gefühl, es wird in den jeweiligen Situationen wunderbar herübergebracht. Dazu trägt auch der Soundtrack bei, der die Gefühle in den jeweiligen Szenen nochmals unterstreicht. (Vor allem ist mir da das Stück „Confession“ in Erinnerung geblieben.) Somit ist es quasi unmöglich als Zuschauer nicht zumindest ein wenig mit den Figuren mitzufühlen.

Ein Punkt, der mir negativ auffiel, waren etwaige Logikfehler, die auch im Manga auftauchten und die der Anime nicht im Entferntesten ausbesserte.
Um ein Beispiel zu nennen – die oben erwähnten Regierungsangestellten kreuzen noch mal Yukaris Weg, als sie zum ihm nach Hause kommen und sich nach dem Fortschritt mit seiner Partnerin erkundigen. Kurz darauf fragen sie ihn, ob er wüsste wo sich Misaki Takasakis Zuhause befinden würde. Was ich mich da frage – müssten sie als Regierungsangestellte das nicht selbst wissen? Es muss doch ein Archiv geben, in dem sie Misakis Adresse problemlos vorher hätten nachschlagen können. Außerdem – woher wussten sie, dass Yukari Misaki kennt und ihnen weiterhelfen könnte? Ihre Frage setzt ja dieses Wissen voraus. Nun kann man zwar sagen, dass Yukari und Misaki seit ihrer Grundschulzeit zusammen in einer Klasse waren, dazu noch relativ nah beieinander wohnen, und dass diese Daten der Regierung und damit ihren Angestellten vorliegen. Allerdings bedeutet das noch lange nicht, dass man groß etwas miteinander zu tun hat, so dass man zum Beispiel den Wohnort der anderen Person kennen würde. Somit empfinde ich es als relativ unprofessionell, Klienten nach x-beliebigen Personen in meinem Umfeld zu befragen, mit denen ich eventuell gar keine so enge Beziehung führe.

Außerdem fällt es mir negativ auf, dass der Punkt „Homosexualität“ nicht weitergehend behandelt wird. Zwar gibt es einen homosexuellen Charakter in der Serie, darüber hinaus wird das Thema aber nicht weiter angeschnitten. Das ist für mich ein wenig unlogisch, da es sicherlich noch weitere Fälle von Homosexualität geben muss, Yukari-Gesetz hin oder her. Ich hätte gerne mehr über die Konsequenzen davon erfahren, z.B. ob es dann eine andere Behandlung seitens der Regierung gibt als bei normalen Teenagern. Fairerweise muss man aber sagen, dass selbst der Manga dieses Thema erst seit kurzem weiter ausgeführt hat. Deswegen hege ich Hoffnungen, dass in einer eventuellen zweiten Staffel näher darauf eingegangen wird.

Zum Schluss bleibt mir nur noch zu sagen, dass ich diesen Anime trotz seiner Schwächen jedem weiterempfehlen würde. Die Geschichte ist nah genug an der Realität dran, so dass man sich mit ihr und den Charakteren identifizieren kann. Zu Letzterem trägt auch die sehr gute japanische Synchronisation und der stimmungsvolle OST bei. Wenn sie nun noch eine zweite Staffel herausbringen und in dieser die von mir genannten Schwächen ausbessern, bin ich als Fan wunschlos glücklich.

Bewertung: 4 / 5

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