Love Live! Sunshine!! (Staffel 2)

Wer sich meinen allerersten Post auf diesem Blog gelesen hat, mag sich an meine Aussage erinnern, dass mein erstes „richtiges Review“ (was kein schnöder Repost ist) zu „Yu-Gi-Oh! GX“ sein würde. Nun, es ist Einiges anders gelaufen, als man denkt – das Review zu „Yu-Gi-Oh! GX“ kommt definitiv bald, da ich nur noch etwas über zwanzig Episoden ansehen muss. Aber davor gibt es einen Anime, zu dem ich schon so lange eine Bewertung schreiben wollte, was u.A. wegen der tollen Designpolitik von Anisearch sich aber mehr und mehr verzögert hat. Zeitlich passt es ebenfalls gut, da vor ein paar Tagen erst das vierte Konzert im Tokyo Dome stattfand und der Start des Kinofilms im Januar nächsten Jahres auch immer näher rückt. Eigentlich muss ich nicht mehr sagen, da auch der Titel und das Beitragsbild Bände sprechen, aber nur zur Vollständigkeit halber:
Ich spreche von der zweiten Staffel zu „Love Live! Sunshine!!“.

Obwohl Aqours beim Regionalfinale verloren haben und sich damit nicht für den „Love Live!“ – Wettbewerb qualifizieren konnten, sind Chika Takami und ihre Freunde dennoch frohen Mutes und erhoffen sich einfach eine Teilnahme im nächsten Jahr. Auch die immer nur mäßig steigenden Schülerzahlen sind zunächst kein großes Problem – Aqours plant ein Konzert am bevorstehenden Tag der offenen Tür durchzuführen, um so mehr Personen für die Uranohoshi Oberschule zu begeistern. Doch alles kommt anders, als Mari Ohara, Schuldirektorin und Mitglied von Aqours, einen Anruf von ihrem Vater bekommt. Aufgrund der geringen Anzahl von Schülern, die daran interessiert wären sich an der Uranohoshi Oberschule einzuschreiben, soll jener Tag der offenen Tür abgesagt werden. Des Weiteren soll die Schule im nächsten Jahr geschlossen und die Schüler auf eine andere Schule geschickt werden. Doch Aqours gibt nicht so einfach auf, und strebt einen Sieg im „Love Live!“ an, um damit ihre geliebte Schule zu retten und ihren Glanz, ihre Einzigartigkeit zu finden.

So weit erst einmal zur groben Handlung. Es wirkt zwar, als hätte ich „den“ Plottwist der Serie überhaupt gespoilert, aber glaubt mir – das war nötig, um einige meiner nachfolgenden Begründungen zu verstehen.

Und da steige ich auch gleich mit dem ein, was mir gefallen hat:
Chikas Obsession mit der Rettung ihrer Schule wurde hier so viel besser umgesetzt als in der ersten Staffel – während es da quasi aus dem Nichts kam, wird hier eine Kausalität aufgestellt, nach dem Motto „Wir retten unsere Schule und finden dadurch heraus, was uns einzigartig macht“. Ist ein himmelweiter Unterschied zu der „Ich will unsere Schule retten, weil ist so“ – Argumentation aus der ersten Staffel. Das Schöne dabei – selbst diese Motivation der zweiten Staffel ist nicht aus Stein – sie wird angezweifelt, verworfen und am Ende neu geschrieben.
[SPOILER]Wie zu sehen an der 7. Episode – obwohl Aqours zum „Love Live!“ vorrücken konnten, wurde das Limit von 100 neuen Schülern, was die Schließung der Schule hätte aufhalten können, am Ende nicht erreicht. Wie es Kanan in etwa so treffend sagte „Obwohl so viele Leute Aqours kennen, heißt das nicht automatisch, dass alle nun sich Extra Mühe geben und sich bei der Uranohoshi Oberschule einschreiben“. Chika ist nach dieser Niederlage am Boden – für sie war die Rettung der Schule das Mittel, um ihre Einzigartigkeit zu finden, etwas, an das sie sich verzweifelt geklammert hat. Nun, da das weg ist, ist sie zu Recht außer sich, bis zu dem Punkt, dass ihr sogar die Teilnahme am „Love Live!“ und das Finden ihrer Einzigartigkeit egal ist. Da sie die Schule nicht retten konnten, ist für sie alles umsonst, Schluss Aus.
An dem Punkt klinken sich dann überraschend die restlichen Schüler ein, mit der Frage „Ist das denn der einzige Weg, um die Schule zu retten?“ Dem folgt eine Argumentation, dass die „Rettung der Schule“ nicht nur dadurch erfolgen muss, dass sie durch steigende Schülerzahlen bestehen bleibt, sondern auch, indem sie durch einen Sieg durch Aqours beim „Love Live!“ unsterblich gemacht wird. Diese Stelle, dass eine Alternative geboten wird, die die Grundmotivation neu schreibt, hat mir sehr gut gefallen.[/SPOILER]

Auch was die Charakterisierung angeht, wurde ich größtenteils nicht enttäuscht – wieder bekamen die einzelnen Mitglieder von Aqours (bis auf ein paar Ausnahmen) Charakterentwicklung spendiert, die sie in einem neuen Licht beleuchtet haben. So finden die Erstklässler und Drittklässler zusammen heraus, was sie verbindet, Ruby zeigt eine reifere Seite von sich, Dia versucht über ihren Schatten zu springen und und und. Das waren (so gut es geht spoilerfrei) nur einige Momente, es gibt da noch viel mehr. Auch fand ich gut, dass sogar Nebencharaktere wie die Technik Mädels und die rivalisierende Gruppe „Saint Snow“ mehr eingebunden wurden als vorher.

Zudem muss ich einfach den Einsatz des „4th Wall Breaking“ loben – es kamen sehr oft Scherze und Witze vor, die von diesem Element Gebrauch machten. Ob nun Maris „The second season starts today“ in der ersten Folge, Hanamarus Kommentar „Nur unbeliebte Charaktere müssen diese Arbeit verrichten“, während sie eine mühsame Aufgabe erledigt oder andere Szenen, ich musste bei diesen Stellen doch schmunzeln. Ich mag so etwas sehr gerne, wenn es passt, und da die zweite Staffel insgesamt mehr noch als die erste Staffel wie ein Musical wirkte, war das gegeben.

Apropos „Musical“ – Eindruck, die Musik hat da auch entsprechend ihren positiven Beitrag geleistet. Die Lieder, egal ob BGM oder Songs, wirkten in den Episoden nie deplatziert und unterstrichen die jeweilige Stimmung sehr gut. Selbiges gilt für das Opening („Mirai no Bokura wa Shitteru yo“, dt. „Unsere zukünftigen Ichs wissen Bescheid“) und das Ending („Yūki wa Doko ni? Kimi no Mune ni!“, dt. „Wo ist Mut? In deinem Herzen!“). Ersteres drückt eine gewisse Unsicherheit wegen der Zukunft aus, jedoch gleichzeitig auch die Entschlossenheit ihr entgegenzutreten und den eigenen Schein zu suchen; das Ending ergänzt dieses Motiv durch die Zugabe über die eigenen Fehler und Ängste, und die immerwährende Hoffnung und Zuversicht auf das Morgen. Beides passte sehr gut zu der Staffel und bildete so einen schönen Rahmen, in den die Episoden eingebettet waren.

Nach all der Lobhuldigung – was hat mir weniger gefallen?
Nun, oben hatte ich es beim Punkt der „Charakterisierung“ schon angesprochen – nicht alle Charaktere wurden gleich behandelt, was das anging. So hätte ich mir persönlich für Hanamaru und You eine extra Episode gewünscht. Hanamarus Konflikt in der ersten Staffel war teilweise weit hergeholt und hätte mit einer erneuten Folge besser aufgegriffen werden können. Und was You anging, so wurde das, was sie beschäftigte, in einer Art und Weise aufgelöst, die mich fassungslos zurückließ und wo ich mir dachte „…Ernsthaft? Das ist die Methode, nach der ihr vorgehen wollt? Wirklich?“
[SPOILER]Für alle, die die erste Staffel gesehen haben und interessiert daran sind, auf welche Konflikte ich anspiele:
Bei Hanamaru beziehe ich mich auf den weit hergeholten Vergleich mit Rin Hoshizora, die ja zunächst auch kein School Idol sein wollte. Der Vergleich wäre an sich nicht schlimm, wenn beiden Personen nicht unterschiedliche Gründe gehabt hätten – bei Rin war es der Punkt, dass sie sich nicht als weiblich und süß genug ansah, um ein Idol zu sein. Bei Hanamaru war es der Wunsch ihre beste Freundin Ruby bei der Erfüllung ihres Traumes ein School Idol zu sein zu unterstützen. Sie selbst sah sich als ein Helfer an, der in die Welt der Bücher gehört, und nicht in die Welt der Idols. Wie man sieht – sehr unterschiedliche Beweggründe. Zudem wird auch noch im gleichen Atemzug der „Love Wing Bell“ Vorfall miteingebracht – an dem Punkt war Rin längst ein School Idol, nur hatte sie immer noch Probleme damit sich als weiblich genug zu sehen. Den Vergleich da mit Hanamaru zu ziehen, die an dem Punkt immer noch kein School Idol ist und auch noch andere Beweggründe als Rin hat, ist nicht gerade schlüssig.
Yous Konflikt war, dass ihre beste Freundin Chika mehr und mehr Riko geschenkt hat und You sich gefühlt hat, als ob sie auf der Strecke blieb. Ihr fiel es schwer das Chika direkt zu sagen, so dass es bei indirekten Handlungen wie kurz angebundenen Antworten und stillem Verhalten blieb. Am Ende hat sich You lediglich die Schuld dafür gegeben, wie falsch sie Chika eingeschätzt hat. Es gab keine richtige Konversation mit ihr darüber, wie You sich gefühlt hat, stattdessen hat sich You für ihre Gefühle sogar geschämt. Und DAS finde ich ist keine Konfliktlösung. Ich hatte diese Situation mehr als einmal, dass ich mich ausgeschlossen gefühlt habe und glaubt mir – Yous Methode ist nicht gesund. Es verzögert nur das Ganze und kann mitunter zu schlimmen seelischen Wunden führen. Ein ernsthaftes Gespräch wäre da besser gewesen.[/SPOILER]

Außerdem gab es eine unlogische Stelle im Anime, die mir sauer aufgestoßen sind, nämlich Kanans Verhalten in der 6. Episode.
[SPOILER]Der Hintergrund ist, dass Aqours mit Chika als Center eine neue Choreographie für das Regionalfinale vorbereiten wollen, die in der Vergangenheit von den Drittklässlern erprobt wurde. Kanan ist zunächst vehement dagegen das zu tun, eben weil sie in der Vergangenheit die Centerpositon innehatte und selbst weiß, dass gerade vom Center sehr viel abverlangt wird. Letztendlich wird sie aber doch überzeugt und lässt Chika trainieren. Jedoch, und das ist mir sauer aufgestoßen, obwohl Chika sichtliche Mühe mit der Choreographie hat, hilft Kanan ihr in keinster Weise. Nicht mal irgendwelche Tipps gibt sie ihr!
Nun könnte man ja ankommen und meinen „Ja, sicherlich hat selbst Kanan die Choreo in der Vergangenheit nicht geschafft, wie soll sie ihr dann helfen? Und der Punkt war ja, dass Chika das alleine schafft“. Schön und gut, aber erstens, selbst wenn Kanan die Kombination nicht hinbekommt, schätze ich sie doch um Längen sportlicher als Chika ein. Sie hätte ihr erstmal das Rad und dann den Backflip beibringen und dann mit ihr zusammen üben können diese beiden Sachen zu kombinieren. Das wäre ein süßer Bonding-Moment gewesen, hätte es glaubhafter herübergebracht, wieso Chika auf einmal die Kombination beherrscht hat und hätte dennoch nichts daran geändert, dass sie es aus eigener Kraft geschafft hat. [/SPOILER]

Abschließend kann ich nur sagen, dass mir trotz der fehlenden Weiterentwicklung von manchen Charakteren und einer für mich unlogischen Stelle diese Staffel sogar besser war als die erste. Sie hat Chikas Gründe die Schule zu retten besser herausgearbeitet und mit dieser Motivation experimentiert, es gab spannende Charaktermomente, stilistische Mittel wie das „4th Wall breaking“ wurden gut umgesetzt und die Musik hat alles sehr gut unterstrichen.
Diese Staffel hat es noch mehr als die erste hinbekommen mich emotional mitzureißen, und dass selbst nach einem mittlerweile dritten Anschauen. Ohne Witz, ich saß mit Tränen in den Augen da, eben weil sich die Mühen, die Traurigkeit, aber auch Freude der Mädchen so echt angefühlt hat.
Letztendlich hat das Ende dieser Staffel für mich einen runden Abschluss für die gesamte Serie gebildet. Ich bin nun mehr denn je gespannt auf den Kinofilm im Januar und wie sich dieser in den gesamten Kanon einfügen wird.

Bewertung: 4,5 / 5

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