No Game No Life

Dieser Anime war eine Empfehlung eines Kumpels, seines Zeichens Freizeit-Mangaka. Laut ihm wäre die Serie vom Zeichenstil her anders als der Durchschnitt und auch die Hauptcharaktere wären nicht zu verachten. Gesagt, getan schaute ich den Anime in einem Stück bei ihm durch – und stellte fest, dass besagter Kumpel von mir teilweise Recht hatte. Die Serie ist etwas Anderes, das stimmt, aber es wäre für mich klar noch Potenzial nach oben da gewesen.

Die Geschichte handelt von den Geschwistern Sora und Shiro, zwei Top-Spielern, die nie verlieren, sämtliche Highscores in Online-Videospielen anführen und ein Dasein als Hikikomori in ihrem Zimmer fristen. Eines Tages erhalten sie per Email eine Einladung zu einer Partie Schach. Als sie diese gewinnen, entwickelt sich ein Dialog, in dem sie nach der Meinung zu ihrer Welt gefragt werden. Auf ihre Antwort, dass sie sich fühlen, dass sie in der falschen Welt geboren wurden und diese für sie nur ein schlechtes Spiel ist, werden sie durch ihren Gesprächspartner in eine alternative Welt gebracht.
In dieser werden alle Konflikte durch Spiele entschieden, bei denen man immer etwas als Wetteinsatz benutzen muss. Dabei sind keine Grenzen gesetzt, ob Länder, materielle Dinge oder auch Gefälligkeiten – alles kann man einsetzen, wenn es für einen selbst nur vom gleichen Wert ist wie der Wetteinsatz des Gegenspielers.
Neu in dieser Welt, finden Sora und Shiro mehr und mehr über sie heraus, wie etwa auch, dass den Menschen, einer von insgesamt 16 Rassen, durch die Misserfolge des vorherigen Königs nur noch eine einzige Stadt geblieben ist. Ihr neues Leben als einzigartige Chance wahrnehmend, beschließt das Geschwisterpaar der menschlichen Rasse zu neuem Ruhm und Respekt zu verhelfen.

So weit zum Grundgerüst des Plots. Man merkt deutlich, dass diese Zusammenfassung  im Vergleich zu meinen anderen Reviews ein wenig ausführlicher ist. Und in der Tat könnte ich noch mehr ins Detail gehen, aber das würde dann doch zu einem zu langen Beitrag mutieren und dem Anime auch ein wenig die Spannung rauben.
In der Tat jedoch zeigt diese Serie sehr viel Tiefe, vor allem bei den Spielen, die alle sehr vielfältig sind und für mich an die aus dem Manga „Liar Game“ in Sachen Verschachtelung um Längen heranreichen. Besonders toll war es für mich im Nachhinein zu erfahren, wie Sora bzw. Shiro ein Spiel zu ihren Gunsten genutzt haben, um es zu gewinnen. Da hat sich jemand wirklich Mühe bei der Ausarbeitung gegeben.
Auch der Zeichenstil war für mich etwas Positives. Mit den roten Outlines der Figuren und der Farbvielfalt wirkt der Anime sehr bunt, was sehr zum Fantasy-Setting der anderen Welt beiträgt. Dennoch hat man, dank geschicktem Einsatz von Grautönen oder gedämmten Farben in traurigen und ernsten Szenen, nie den Eindruck, dass es zu quietschfröhlich ist.

Leider, so wie ich es am Anfang geschrieben habe, hätte der Anime noch viel Potenzial nach oben gehabt, vor allem was die Hintergrundgeschichte betrifft. So vielfältig der Plot am Anfang mit den 16 Rassen und den Konflikten zwischen ihnen erscheinen mag, so erfährt man doch nur von einer Hand voll wirklich etwas, und selbst das nur im geringen Maß. Für mich war es nicht genug, um wirklich einen Einblick in die Kultur der Rassen zu bekommen, da wäre ein kurzer storymäßig eingebundener, längerer Besuch der Geschwister bei einer der anderen Rassen eine willkommene Abwechslung gewesen.
Apropos Storytelling, auch dort gibt es Defizite durch den im Prinzip immer gleichen Aufbau jeder Episode: Sora oder Shiro bzw. beide zusammen stellen sich einem Spiel, ihr Gegner steht kurz davor zu gewinnen und am Ende schlagen sie ihn doch. Zwischendurch dann Fanservice und Slapstick-Momente bis zum nächsten Spiel. Ist das am Anfang noch interessant, so ist einem am Ende doch, trotz den bereits genannten tiefgehenden Spielen, beim Zusehen langweilig.
Apropos Ende, das fiel für mich auch eher mager aus. Offenes Ende schön und gut, aber das war dann doch etwas zuviel des Guten. Nachdem in der letzten Szene scheinbar noch alles gut war, gibt es eine plötzliche Wendung und unvorhergesehen steht Sora und Shiro ein schwerer und als episch inszenierter Kampf bevor. Man sitzt gebannt da, sieht, wie sie auf den Gegner zulaufen, die Spannung ist kaum auszuhalten, man hält den Atem an – tja, und wird dann praktisch auf dem Trockenem sitzen gelassen. Sorry, aber solche Cliffhanger-Enden, die mitten in der ganzen Action aufhören, stören mich sehr.

Somit komme ich zu meiner Bewertung vom Anfang, dass der Anime sehr viel mehr Potenzial gehabt hätte. Die Geschichte mit den vielfältigen und tiefen Spielen nebst einem Zeichenstil, der sich vom 0815-Anime deutlich unterscheidet, bilden eine gute Basis. Dem stehen jedoch das kaum vorhandene Hintergrundwissen zu den einzelnen Rassen, der immer gleiche Episodenaufbau und das abrupte Ende gegenüber.
Ich hoffe deshalb, trotz dem 2017 erschienenem Film, auf eine zweite Staffel, in der das Potenzial dieses Animes voll ausgenutzt wird. Verdient hätte er es auf jeden Fall.

Bewertung: 3 / 5

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