Yuri!!! on Ice

Ich hatte mich, seit dieser Anime 2016 herauskam, bislang so gut es geht von ihm ferngehalten. Nicht, weil ich per se etwas gegen den Inhalt oder das Genre gehabt hätte – nein, ich war eher vorsichtig wegen dem regelrechten Hype, der um diese Serie entstanden war. Meiner Erfahrung nach verdienten gehypte Sachen die ganze Aufmerksamkeit nicht und waren meist eher durchschnittlich bis schlecht.
Jedoch, als ich auf Youtube durch Zufall auf ein PV zu „Welcome to The Madness“ von Yuri Plisetsky stieß, war es vorbei – ich muss ehrlich zugeben, dass mein Fangirlgeschmack getroffen wurde, und ich hin und weg war. Ich wollte unbedingt mehr über diesen Charakter erfahren, und bei Recherchen stieß ich dann darauf, dass er in „Yuri!!! on Ice“ vorkam. Eines führte zum Anderen und ich sprang über meinen Schatten. Immerhin mochte ich schon einen Charakter von diesem Anime, so schlimm konnte es also nicht werden, oder?
Nun ja, es gab gewisse Sachen, die mich enttäuscht haben, aber dazu gleich mehr.

Kommen wir erstmal zum Inhalt:
Der japanische Eiskunstläufer Yuuri Katsuki erleidet beim Grand-Prix-Finale eine vernichtende Niederlage, der zahlreiche weitere, u.A. bei der nationalen Meisterschaft, folgen. Niedergeschlagen entschließt er sich nach fünf Jahren Auslandsstudiums und -trainings nach Hasetsu, seiner Heimatstadt auf Kyuushu, zurückzukehren. Dort zeigt er im Geheimen seiner Kindheitsfreundin ein Programm, dass er sich von Victor Nikiforov abgeschaut hat. Bei diesem handelt es sich um einen russischen Eiskunstläufer, den Yuuri seit seiner Kindheit verehrt. Durch unglückliche Umstände gelangt eine Videoaufnahme von dieser Kür ins Netz und verbreitet sich um die ganze Welt, sodass schließlich auch Victor diese sieht. Jener reist kurzerhand nach Japan, und unterbreitet Yuuri das Angebot ihn als Coach zu unterrichten. Für selbigen klingt es wie ein Traum und so beginnt er mit Victor das Training, mit dem Ziel diesmal beim Grand-Prix-Finale Gold zu gewinnen.

Soweit zur Geschichte.
An diesem Punkt fing die oben erwähnte Enttäuschung schon für mich an. Das lag nicht daran, dass ich die Hauptstory schlecht fand, aber ich hatte etwas gegen ein bestimmtes Element, was immer und immer wieder innerhalb der Serie auftauchte – der Shonen-Ai – Fanservice.
Ich bin zwar ein Fan dieses Genres – u.A. habe ich mir auch Sekaiichi Hatsukoi, Junjou Romantica, Okane ga Nai und noch viel mehr Serien angesehen und bewertet – aber hier kam mir dieses Element zu sehr „gekünstelt“ herüber. Ich weiß, mit großer Wahrscheinlichkeit werden mir sämtliche Victor x Yuuri-Shipper für die folgende Kritik den Kopf abreißen wollen, aber ich konnte den beiden diese Szenen einfach nicht abkaufen. Der Grund lag für mich daran, wie diese Momente insszeniert wurden. Kritisch wäre einmal, dass Victor Yuuri in viel zu kurzer Zeit viel zu nahe kommt. Hier komme ich nicht umhin zu spoilern.

[SPOILER]Nämlich erfährt Yuuri in der ersten Episode, dass Victor im Onsen seiner Eltern ist, und rennt schnurstracks dorthin. Ja, in den Badebereich, in voller Kleidungsmontur, wohlgemerkt. Als er schließlich Victor findet, steht dieser seelenruhig auf und unterbreitet ihm, splitterfasernackt(!!) das Angebot sein Coach zu sein. Aber keine Angst, seine intimste Stelle wird von einem Springbrunnen gekonnt verdeckt, sodass der Anime nicht in die Yaoi-Sparte abrutscht. Dennoch – da treffen sich gerade zwei Männer das erste Mal, und der eine hat keine Probleme damit sich vollständig nackt vor dem anderen Typen zu repräsentieren? Wow, entweder hat Victor ein verdammt großes Selbstvertrauen sich ohne Kleidung vor einem Wildfremden zu zeigen, den er noch nicht mal fünf Minuten kennt – oder man wollte schon in der ersten Episode Fanservice reinhauen, damit die Fangirls glücklich sind, egal ob es an der Stelle unlogisch ist oder nicht.[/SPOILER]

Auch losgelöst davon gibt es in den ersten Episoden unzählige Momente, wo ich nur Haare raufend dasaß und dachte „Die kennen sich gerade mal eine Woche! EINE VERDAMMTE WOCHE!!“. Ich weiß, dass damit eine homosexuelle Beziehung zwischen den beiden angedeutet werden soll, aber sie ist einfach so überzogen in Szene gesetzt, dass ich sie ihnen nicht abkaufen kann. Später im Anime, als einige Monate vergangen waren, konnte ich diese Art von inniger Beziehung etwas mehr nachvollziehen, immerhin haben sie viel zusammen erlebt und durchgemacht. Dennoch – die Art, wie sich diese Beziehung entwickelt, ist am Anfang viel zu rasant, um natürlich zu wirken.
Anderes Merkmal dafür, was mich an diesem Fanservice gestört hat – der Ort. Wären diese Momente zwischen Yuuri und Victor privat geblieben, so wäre das nicht weiter schlimm für mich gewesen. Aber nein – „Egal wo die beiden sind, Fanservice geht immer!“ So dachte man sich das wohl, als man den Anime produzierte, anders kann ich mir das nicht erklären.

[SPOILER]So kommt es u.A. zu einer Szene, in der Victor Yuuris Schlittschuhe bei einem Wettbewerb vor laufenden Kameras küsst. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber jemandes Schuhe zu küssen ist für mich ein Akt großer Hingabe. Zumal Victor das bei einer Veranstaltung in Russland macht, einem Land, das in Sachen Anerkennung von Homosexuellen sehr rückständig ist. Und da gibt es keinen medialen Aufschrei? Keine negativen Auswirkungen?
Ich weiß, das ist ein Anime und kann als solcher die Realität nicht zu 100 Prozent abbilden. Dennoch – „Yuri!! On Ice“ erhebt für mich den Anspruch realistisch sein zu wollen, u.A. indem erklärt wird wie Wettbewerbe im Eiskunstlauf funktionieren und wie die Punktverteilung ist. Wenn man also schon so weit geht möglichst realitätsnah sein zu wollen, dann sollte man das doch bitte auch bei anderen Aspekten dieses Animes berücksichtigen. Hätte man negative Reaktionen eingebaut – wie etwa in Form von negativer Medienberichterstattung – so wäre das zum Einen realistischer geworden, und hätte zum Anderen auch eine Gelegenheit geboten, damit Victor und Yuuri an dieser Sache wachsen, indem sie sich gegenseitig Halt geben. DAS wäre dann auch Fanservice gewesen, über den ich mich gefreut hätte.[/SPOILER]

Die letzte Sache, die mich störte, waren allgemeine Logikfehler, die in der Serie immer wieder auftauchten. Vor allem der Fakt, dass Yuuri, auch wenn er bei seiner Kür Fehler macht, ständig weiterkommt, ist mir sauer aufgestoßen.

[SPOILER]So auch bei dem „Wettbewerb“ in der dritten Episode, als er gegen Yuri Plisetsky antritt. Letzterer lief seine Kür fehlerlos(!), während Yuuri viele Schnitzer bei seiner hatte. Wer gewinnt also? Richtig, Yuuri, weil sonst wäre ja Victor zusammen mit Yuri P. nach Russland zurückgekehrt und der Anime wäre vorbei. Somit entschließt sich Yuri P. kurz vor Verkündung der Ergebnisse nach Russland zurückzukehren, und Yuuri gewinnt automatisch. Diese Stelle fand ich schlecht umgesetzt – es kommt einem einfach komisch vor, dass Yuri P., der sich beim Training alle Mühe gab und alles aus sich herausholte, einfach so das Handtuch wirft. Ich werde das Gefühl nicht los, dass man es hier irgendwie vom Storyverlauf her bewerkstelligen musste, dass Yuuri gewinnt, und dass den Produzenten keine bessere Lösung dafür eingefallen ist als Yuri P. aufgeben zu lassen.[/SPOILER]

Bei all meiner Kritik – gab es etwas, was ich an dem Anime überhaupt gut fand?
Ja, das gab es, so unglaublich es klingen mag. Zunächst einmal muss ich ein Lob für die realistischen Küren aussprechen. Für eine Serie, deren Angelpunkt Eiskunstlauf ist, sind diese von sehr großer Wichtigkeit. Es war eine gute Entscheidung dafür einen erfolgreichen Eiskunstläufer (Kenji Miyamoto) zu engagieren, der die jeweiligen Choreografien entwarf. So wirken die Bewegungen flüssig und wie etwas, was man in der Tat bei einem Wettbewerb sehen würde. Das tröstet einen dann auch ein wenig darüber hinweg, dass die Qualität der Animationen bei diesen Szenen kippt und im Gegensatz zum restlichen Anime nicht gerade mit Details trotzt.
Wo wir schon bei technischen Details sind – das Opening und Ending fand ich auch passend gewählt. Sowohl „History Maker“ als auch „You Only Live Once“ fangen sowohl von den Lyrics, als auch von dem bloßen Titel allein her sehr gut die Stimmung der Serie ein – nämlich alles zu geben und nach vorn zu streben. Loben muss ich vor allem auch den grafischen Stil des Openings, der an eine lebendig gewordene Tuschezeichnung erinnert. Das war für mich definitiv herausstechend, wo doch heutzutage die Openings meist einfach denselben Animationsstil nutzen, den man auch in der restlichen Serie sieht.
Mein letzter positiver Punkt wären die Charaktere. Man bekommt nicht nur von den Hauptcharakteren einen guten Einblick in ihre Persönlichkeiten, sondern auch von den zahlreichen Nebencharakteren. Schade fand ich es nur, dass meist wiederholt nach folgendem Muster gehandelt wurde – Charakter X geht aufs Eis, tanzt seine Kür und dabei wird durch Flashbacks etwas über ihn erzählt. Bei den großen Hauptcharaktern – nämlich Yuuri, Victor und Yuri Plisetsky – haben diese auch Szenen abseits des Eises, in denen man etwas über sie erfährt, aber bei vielen der Nebencharaktere kam das kaum bis gar nicht vor. Ein paar mehr solcher Szenen hätten auch diesen gut getan, da ich zwar einordnen konnte wer wie tickt, ich mich aber dennoch nicht wirklich mit ihnen assoziieren konnte.

Was ist also mein endgültiges Fazit?
Nun, wie ich es am Anfang schrieb, habe ich diesen Anime mehr oder weniger mir wegen Yuri Plisetsky angesehen. Und ganz ehrlich – wenn dieser Charakter nicht gewesen wäre, hätte ich mich mehr oder weniger durchgequält.
Der an vielen Stellen unpassende Shonen-Ai-Fanservice und die Logikfehler sind für mich die ausschlaggebenden Argumente dafür, warum ich diesen Anime eher weniger mochte. Zwar hat er auch seine positiven Punkte – wie etwa die flüssgen Kürbewegungen, das passende Opening und Ending, und eine großer Zahl verschiedener interessanter Charakter – aber das war eher ein schwacher Trost. Insbesondere das Zeigen von negativen Konsequenzen für jenen überschwänglichen Fanservice und die bessere Beleuchtung der Hintergründe der Nebencharaktere hätten enormes Potenzial geboten.
So aber muss ich leider sagen, dass „Yuri!!! On Ice“ für mich nicht wirklich den ganzen Hype verdient. Ich hoffe ehrlich, dass im Kinofilm, der 2019 kommen soll, einige der Schwächen ausgebügelt werden.

Bewertung: 2 / 5

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