Love Live! Sunshine!! (Staffel 1)

Es ist nun schon mittlerweile über drei Jahre her, seit ich den Anime zu „Love Live! School Idol Project“ gesehen habe. Mein Urteil fiel gemischt aus:
„Einerseits mochte ich als Fan den Anime, hatte sehr viele Wiedererkennungserlebnisse und habe mich gefreut mehr über die Mädels von μ’s erfahren zu können. Andererseits war die Serie für mich im Nachhinein betrachtet nichts Überragendes oder Außergewöhnliches, was man sich noch mal anschauen muss.“
Mein Urteil begründete ich damit, dass der Anime im Prinzip eher zusätzlicher Fanservice für die Personen wäre, die auch mit der App vertraut seien. Weitere Kritikpunkte waren eine eher mäßige Handlung und übermäßige Filler-Episoden.
Im Herbst 2016 kam dann der Anime „Love Live! Sunshine!!“, der die Geschichte von Aqours erzählt, der nachfolgenden Generation im Love Live – Franchise. Hat diese Serie nur die Fehler vom Vorgänger übernommen, oder sie verbessert, wenn nicht gar Individuelles hinzugefügt?


Zur Geschichte:
Chika Takami ist Oberschülerin an der Uranohoshi Oberschule und verbringt dort gemütlich ihren Alltag. Weder hat sie besondere Hobbies, noch irgendwelche Interessen. Bei einem Ausflug nach Tokio stößt sie jedoch auf etwas, was sie so schnell nicht mehr loslässt – „School Idols“, Idols, die ihre Schulen als Vertreterinnen repräsentieren. Gespannt verfolgt sie auf einer Leinwand einen Auftritt von μ’s (ausgesprochen „Muse“), den Gewinnern des „Love Live!“- Wettbewerbs. Fasziniert erkennt sie – das ist etwas, was sie erreichen möchte. Sie, die in ihrem Leben nie irgendwelche großen Ziele verfolgt hat und sich nie als jemand Besonderes gesehen hat, hat nur noch eines im Sinn – so hell zu strahlen wie ihre Idole.

Was ich zunächst einmal loben möchte, sind die individuellen Charaktere. Als die Mitglieder von Aqours vor der Anime-Ausstrahlung rein visuell durch Magazinartikel vorgestellt wurden, gab es viele Vergleiche zu μ’s, der „Hauptgruppe“ des Franchises. Sätze wie „Das ist eine zweite Umi“ oder „Sie sieht genau so aus wie Honoka“ waren an der Tagesordnung. Nach der Anime-Ausstrahlung haben sich diese Vorurteile zum Glück in Luft aufgelöst. Gut, manche äußere Gemeinsamkeiten kann man nicht abstreiten – Chika, die „Leaderin“ von Aqours hat, genau so wie die „Leaderin“ von μ’s (Honoka), orangene Haare. Davon abgesehen hat sie aber mit ihr rein gar nichts gemeinsam – Honoka ist stark, zuversichtlich und weiß genau, was sie als Person ausmacht. Chika hingegen weiß nicht, was an ihr besonders sein soll, und versucht erst zu dieser Stärke und Zuversicht zu kommen.
Und das ist nicht das einzige Beispiel – auch bei den übrigen acht Mädchen von Aqours ist keines dabei, das wie ein Klon von einem Charakter aus μ’s wirkt. Im Gegenteil, sie sind alle für sich, wie oben erwähnt, sehr individuell. Sei es Hanamaru Kunikida, die ein Bücherwurm ist und öfters im Dialekt spricht, oder Mari Ohara, die gerne „Engrish“ in ihre Sätze einbaut und öfters ihre Scherze mit anderen treibt, oder Yoshiko Tsujima, die überzeugt ist ein gefallener Engel zu sein … Ich könnte alle Mitglieder durchgehen, im Endeffekt bleibt es aber dabei, dass sie alle für das Love Live Franchise erfrischend neue Charaktere sind.
Ein weiterer Pluspunkt ist, dass all diesen Charakteren Entwicklung zuteil wird. Jeder bekommt entweder eine eigene Episode spendiert, in der es schwerpunktmäßig um ihn geht, oder es dreht sich innerhalb der Story ein großer Abschnitt um ihn. Dabei sind Sachen, bei denen ich dank persönlicher Erfahrungen hart schlucken musste und die mich doch zu Tränen gerührt haben. Filler-Episoden sucht man, abgesehen von der allerletzten Episode, vergebens. Jede Episode nutzt ihr Potenzial, um die verschiedenen Facetten von den Charakteren aufzuzeigen. Durch diese intensive Charakterentwicklung, die Stück für Stück vonstatten geht, ist die Serie auch etwas für Leute, die bislang noch nicht Kontakt mit der App hatten.

So erfreut ich aber über die Protagonisten war, so enttäuscht war ich von dem Haupthandlungsrahmen. Es fing alles so vielversprechend an – Chika, die sich bislang nie konkret mit ihrer Person auseinander gesetzt hat, möchte herausfinden, was sie besonders macht. Was ist an ihr einzigartig, was lässt sie „strahlen“? Auf diese Fragen sucht sie Antworten, aus diesem Grund erst beschließt sie ein „School Idol“ zu werden und μ’s nachzueifern. Diese Suche nach der eigenen Einzigartigkeit wäre ein schöner Handlungsrahmen gewesen, der sich zudem von dem des Vorgängers unterscheidet.
Aber nein, letztendlich läuft es doch auf die alte Rahmenhandlung hinaus.

[SPOILER]Die Schule von Chika und ihren Freundinnen soll geschlossen und die Schüler an eine weiter entfernte Schule geschickt werden. Und wie auch im Vorgänger besteht die Lösung des Problems darin, dass Aqours am „Love Live!“ – Wettbewerb teilnehmen, dort für ihre Schule werben und damit die Schülerzahlen in die Höhe steigen lassen.[/SPOILER]

Das ist für mich leider verschwendetes Potenzial. Schade, man hätte wirklich viel aus der ursprünglichen Idee machen können. Zwar wird sie am Ende in den letzten beiden Episoden noch mal thematisiert, das wirkt auf mich aber eher wie eine Notlösung.
Ebenfalls stört mich in dem Zusammenhang die charakterliche Entwicklung Chikas.

[SPOILER]Nämlich schwingt sie von „Ich will herausfinden, was mich besonders macht“ zu „Ich liebe meine Schule, und muss sie unbedingt retten“ in noch nicht mal einer Episode um. Ohne eine vorherige Erwähnung, warum sie diese Schule überhaupt liebt oder was sie an dieser wertschätzt. Diese Entwicklung erscheint deswegen sehr gezwungen, so als wenn den Machern in der letzten Sekunde eingefallen wäre, dass ihre Protagonistin unbedingt ihre Liebe zu ihrer Oberschule zum Ausdruck bringen muss. Das Problem ist hierbei aber das fehlende Set-Up – einem Charakter, der vorher gemütlich in den Alltag hineingelebt hat und der sich nie Gedanken über seine Schule gemacht hat, nehme ich eine solche Entwicklung einfach nicht ab.[/SPOILER]

Abschließend muss ich sagen, dass ich diesen Anime besser fand als die Vorgängerserie. Es wird jedem Charakter genügend Beachtung geschenkt und es gibt so gut wie kaum Filler-Episoden. Enttäuscht hat mich dagegen der Haupthandlungsrahmen, der sich zum großen Teil nur an dem vom Vorgänger orientiert, sowie die charakterliche Entwicklung der Hauptprotagonistin.
Für die nachfolgende zweite Staffel wünsche ich mir deswegen, dass intensiver auf das Thema „eigene Einzigartigkeit“ eingegangen wird. Prinzipiell spricht ja nichts dagegen diesen Handlungsstrang mit dem altbekannten zu verweben. Zudem wäre es gut, wenn sich die Macher Gedanken um mögliche Set-Ups machen würden. Damit ließen sich dann auch unlogische Charakterentwicklungen, wie die oben erwähnte, vermeiden.

Bewertung: 4 / 5

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