Binan Koukou Chikyuu Bouei Bu Love! (Staffel 1)

Männliche Sailor Krieger – ungelogen, als ich das erste Mal von diesem Konzept gehört hatte, dachte ich mir nur „Was zur Hölle, wie soll das denn bitte funktionieren?!“
Für mich waren Serien wie Sailor Moon oder Wedding Peach der Inbegriff dieses Leitmotivs  – wunderschöne, heroische Mädchen in knappen Matrosenröcken, die ohne Zaudern bösen Handlangern das Handwerk legen. Wie sollten in dieses doch festgefahrene Bild bitte Jungs hineinpassen? Mit diesen Gedanken und der Erwartung, dass das Ganze wohl eh in Richtung Shounen-Ai-Genre abrutschen würde, sah ich mir den Anime an.
Und was soll ich sagen? Ich wurde positiv überrascht – das Konzept „männliche Sailor Krieger“ funktioniert, allerdings hatte der Anime auch seine Schwachstellen.

Beginnen wir erstmal bei der Handlung:
Das Leben der fünf Mitglieder des “Earth Defense Club” (besser bekannt als “Do Nothing Club”) der Binan Oberschule – Yumoto Hakone, En Yufuin, Atsushi Kinugawa, Io Naruko und Ryuu Zaou – wird von einem auf den anderen Tag gehörig auf den Kopf gestellt. Vor ihren Augen erscheint eine Kreatur, die einem pinken Wombat ähnelt und ihnen ohne Zögern spezielle Armbänder („Loveracelets“) verpasst. Es stellt sich nämlich heraus, dass die fünf „Battle Lovers“ sind, deren Mission es ist die Welt mit Liebe zu füllen und gegen das Böse zu kämpfen. Dabei stellt sich ihnen öfters als Antagonisten der Schülerrat entgegen, dessen Ziel es ist die Welt zu erobern, und die dafür spezielle Monster den Battle Lovers auf den Hals hetzen.

Soweit zur Handlung, wo es keine großen Überraschungen gibt. Es ist eben das klassische „Gut gegen Böse“ – Format, was sozusagen zum Standard für „Magical Girls“- und, wie in diesem Fall, „Magical Boys“- Animes gehört. Positiv fand ich in dem Punkt aber die Einstellung der Protagonisten – während in jedem anderen Anime von diesem Kaliber die Hauptfiguren sehr schnell und mit Freude ihre neue Rolle akzeptieren, sind die fünf Jungs in der ersten Episode mehr als misstrauisch und wollen gar nicht kämpfen. Der pinke Wombat muss sie erst dazu zwingen, was sich darin äußert, dass sie sich ungewollt verwandeln,  heroische Posen einnehmen und hochtrabende Reden schwingen. Das Alles ist ihnen danach zu Recht peinlich und sie lassen ihren Unmut darüber nicht zu knapp an besagtem Wombat aus. Auch später noch kämpfen sie weniger deswegen, weil sie an ihre Mission glauben, als vielmehr nach dem Motto „Ein riesiges Monster legt unsere Schule in Schutt und Asche? … Na gut, wenn es unbedingt sein muss. Ist zwar nervig, aber wir müssen wohl kämpfen.“
Diese Handlungsweise weicht sehr von der 0815-Reaktion anderer Hauptcharaktere ab und war für mich sehr erfrischend.
Auch der Umgang mit Shounen-Ai ist mir positiv aufgefallen – generell sind in dieser Serie Anspielungen vorhanden, aber weder sind sie im Übermaß da, noch sind sie unlogisch umgesetzt. Ich gebe euch für den letzten Punkt ein spoilerfreies Beispiel:
In einer Szene stürzt Io sich plötzlich auf Ryuu, so dass beide zu Boden fallen, und beginnt selbigen zu kitzeln. Betrachtet man diese Szene vor dem Hintergrund, dass beide beste Freunde seit ihrer Kindheit und gleich alt sind, so ist eine solche Intimität logisch nachvollziehbar. Wer will, kann gerne mehr hineininterpretieren, und wer will, kann sie auch nur als beste Freunde sehen. Das ist das Schöne an solch zweideutigen Anspielungen, die man so lesen kann, wie man will. Auch später sind solche Szenen vorhanden, aber wie schon vorher geschrieben, eher in Maßen. Nicht, dass man mich falsch versteht, ich mag Shounen-Ai und Yaoi sehr gerne. Allerdings, ich habe das Gefühl, dass immer mehr der Gedanke vorherrscht, dass in Serien mit Bishonen auch unumgänglich diese beiden Genres eingebunden werden müssen. Meist führt das dann zu Fanservice und Anspielungen in übertriebenen Ausmaßen, bei denen man nur den Kopf schütteln kann. Binan Koukou Chikyuu Bouei Bu Love!“ geht vielmehr nach der Regel  „Weniger ist mehr“ vor, und setzt vielmehr Akzente als, wie andere Serien, mit der Keule zuzuhauen. Sehr angenehm.

Allerdings hat der Anime nicht nur Positives zu bieten.
Die unausgeglichene Charakterdarstellung zum Beispiel hat mich sehr enttäuscht. Man erfährt von den fünf Jungs ihren jeweiligen „Hauptcharakterzug“ – Yumoto mag es Tiere zu knuddeln (darunter auch oben genannten pinken Wombat, dem das Ganze zuwider ist), En ist ein Faulpelz und kann sich zu nichts aufraffen, Atsushi ist ein netter und lieber Kerl aus dem Bilderbuch, Io liebt Geld und bei Ryuu dreht sich alles um Frauen. Darüber hinaus erfährt man nur wenig über die Charaktere, und wenn, dann nur sehr spärlich. Auch bei dem Schülerrat sieht es nicht besser aus. Das enttäuscht insofern, da ich so keine tiefen Beziehungen zu den Charakteren aufbauen konnte. Klar, über manche Sprüche, die die Charaktere fallen ließen, konnte ich nicht anders als zu lachen und ich habe mich für sie gefreut, wenn sie eine brenzlige Situation lösen konnten. Dennoch, mich lässt der Gedanke nicht los, dass es den Charakteren nicht geschadet hätte mehr von ihnen zu zeigen als nur diese eine Eigenheit.
Womit ich auch schon zu meinem zweiten Kritikpunkt komme – der Handlung, oder besser gesagt, wie sie umgesetzt wurde. Gegen das Grundmotiv „Gut gegen Böse“ habe ich nicht wirklich etwas – es ist zwar mehr als ausgetreten, aber gut, irgendwo braucht man ja einen Feind, ansonsten gäbe es wohl keinen großen Grund für die Jungs sich zu verwandeln und Monster zu verprügeln.
Wogegen ich aber sehr wohl etwas habe, ist, dass sich diese Story nicht wirklich großartig entwickelt – der Schülerrat verwandelt ein ums andere Mal Menschen in Monster, die sie gegen die Battle Lovers einsetzen. Diese schlagen besagte Ungeheuer und verwandeln sie wieder zurück in die Menschen, die sie ursprünglich waren. Dieses Spielchen wiederholt sich Folge um Folge, ehe in den letzten zwei Episoden urplötzlich dem bösen Anführer, dem der Schülerrat untersteht, auffällt, dass diese Strategie so gar nichts bringt. Stattdessen versucht er etwas ganz Raffiniertes – statt x-beliebigen Menschen, sucht er sich nun gezielt jemandem aus dem engeren Umfeld der Battle Lovers aus, und verwandelt diesen in einen Feind für sie. Wow, was für eine Alternative…
Aber auch abgesehen davon – gab es außer den Kämpfen und einem Plottwist in den letzten zwei Episoden, den ich als äußerst unausgereift und übereilt empfunden habe, irgendetwas Storymäßiges? Klar, man erfährt ein wenig über Atsushis Vergangenheit und über die enge Bindung von Yumoto und seinem älteren Bruder, aber sonst schaut man in die Röhre. Ich weiß, dass in „Magical Girls“- und „Magical Boys“- Animes die Kämpfe einen Großteil der Handlung ausmachen und oftmals sogar zu dieser beitragen. Das tut es hier aber nicht – zufällige Nebencharaktere, die nur für eine Episode auftauchen, werden in Monster verwandelt, werden besiegt, werden zurückverwandelt und kehren danach wieder in die Versenkung zurück. Danach erscheint noch kurz der Schülerrat, sagt ein paar Zeilen auf, und verschwindet wieder. Eine direkte Konfrontation gibt es, wenn überhaupt, erst in den letzten beiden Episoden. Da hätte man den Anime gleich auf zwei Drittel der urspründlichen Länge zusammenstutzen können. Oder, was ein Alternativvorschlag ist, man hätte von den 12 Episoden doch wenigstens mehr als eine ohne Kämpfe, dafür mit dringend benötigter Charakterentwicklung füllen können. Das hätte dann auch zu etwas mehr Tiefe bei den fünf Jungs und dem Schülerrat geführt.

Abschließend muss ich sagen, dass ich einzelne Aspekte bei Binan Koukou Chikyuu Bouei Bu Love!“, wie etwa die Reaktionen der Jungs auf ihre neue Rolle als „Magical Boys“ oder den geschickten Einsatz von Shounen-Ai Anspielungen, sehr geschätzt habe. Jedoch, die fehlende Tiefe bei den Charaktern und die schwache Handlung, die man hätte kürzer halten können, haben bei mir einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen.
Für die zweite Staffel, die ich mir irgendwann noch ansehen werde, hätte ich deswegen eine große Bitte:
Bitte, BITTE, gebt den Charakteren, sowohl Protagonisten als auch Antagonisten, etwas mehr Persönlichkeit! Lasst meinetwegen gern ein oder zwei Kämpfe weg, die eh nicht groß zum Handlungsverlauf beitragen und die gefühlt nur zum Strecken der Serie beitragen. Und apropos Handlung, bitte lasst euch für diese etwas Besseres einfallen als repetitive Kämpfe gegen einen Bösewicht, der seinen Abschluss wohl in der Baumschule bei Lehrer Ast gemacht hat. Danke.

Bewertung: 3 / 5

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