Wolf’s Rain

Wolf’s Rain war mir als Anime schon seit langem bekannt, genauer gesagt seit in einer Fernsehwerbung im Jahr 2008, 2009 um den Dreh herum der Name kurz aufblitze, und dann wieder verschwand. Jedoch weckte der Titel allein nicht wirklich mein Interesse, und so verging nach diesem ersten Kontakt viel Zeit, ehe ein Freund im Dezember letzten Jahres mich doch überredete dem Anime eine Chance zu geben. Nachdem die letzte Episode geendet hatte, war und bin ich gemischter Meinung; einerseits gab es Aspekte in Wolf’s Rain, die ich sehr gut fand, andererseits gab es aber auch Sachen, die ich als unnötig oder auch schlichtweg als schlecht umgesetzt empfand. Doch dazu später mehr, kommen wir erst einmal zur Geschichte:

In einer fernen Zukunft gibt es eine Legende, nach der das Paradies auf der Erde erscheinen soll, wenn die Welt zu Ende geht. Den Weg dorthin kennen aber nur Wölfe, die aber seit 200 Jahren ausgestorben sein sollen. Dass dies bei weitem nicht der Fall ist, wird schon in der ersten Folge mit dem Auftauchen des weißen Wolfes Kiba in Freeze City, dem Anfangsschauplatz des Anime, deutlich. Er hat kein anderes Ziel vor Augen als das Paradies zu finden, und setzt alles daran um diese Aufgabe zu erfüllen. Auf seiner Reise dahin schließen sich ihm drei andere Wölfe an – Tsume, Ex-Anführer einer Diebesbande aus Freeze City, mit dem Kiba öfters in Meinungsstreitigkeiten aneinander gerät; Hige, der auf den ersten Blick verfressen und faul erscheint, öfters aber Intelligenteres sagt, als man ihm zutrauen mag; und Toboe, der im Welpenalter von einer alten Frau aufgezogen wurde und dementsprechend zutraulich Menschen gegenüber ist.

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Die vier Hauptprotagonisten in Wolf- und Menschenform


Ebenso tauchen in der Geschichte neben den Wölfen Menschen als Protagonisten auf, deren Schicksale im Verlauf der Geschichte sich mehr und mehr mit dem der Wölfe verflechten. Da hätten wir einmal die Wissenschaftlerin Cher Degré, die in ihrem Labor ein Wesen namens Cheza erforscht, das künstlich aus Mondblumen erschaffen wurde und eine entscheidende Rolle für das Öffnen des Paradieses innehaben soll.

Dann wäre da der ehemalige Sheriff Quent Yaiden aus Kyrios, der fest davon überzeugt ist, dass Wölfe immer noch unter den Menschen wandeln und nichts weiter als Unglücksbringer sind, die man allesamt jagen und töten sollte.
Durch einen Vorfall wird er von dem Polizei Kommissar Hubb Lebowski verhört, der zugleich der Ex-Ehemann von Cher ist. Obwohl ihn Wölfe wenig interessieren, beschließt er nach dem Verhör dieses Thema zunächst als Chance zu nutzen, um seiner ehemaligen Frau wieder näher zu kommen. Zuletzt wäre da noch Darcia der III., der letzte Angehörige eines in Ungnade gefallenen Adelshauses, der aus persönlichen Gründen großes Interesse an Cheza zeigt und alle Mittel nutzt, um sie in seine Hände zu bekommen.

Und da wären wir auch schon bei dem ersten Punkt angelangt, der mir in dem Anime gefallen hat – die Charaktere. Für mich sind diese ein großer Faktor dafür, ob ein Anime steht oder fällt. Sprich, es kann noch so ein guter Plot vorhanden sein, das nützt nicht wirklich etwas, wenn ich nichts für die Charaktere empfinde bzw. diese nicht abkann. Bis auf eine Ausnahme, zu der ich weiter unten komme, war das hier nicht der Fall. Ich hatte etwas für alle Charaktere übrig, nicht nur für die Wölfe, sondern auch für die menschlichen Hauptcharaktere. Selbst Quent, den ich am Anfang absolut nicht ausstehen konnte, hatte ich am Ende liebgewonnen. Wolf’s Rain versteht es sehr gut nach und nach seine Charaktere auszuarbeiten; so hat man nach jedem Bissen Hintergrundstory zu einer Figur zwar ein besseres Gefühl für sie, dennoch spürt man aber unterschwellig, dass da noch mehr sein muss, und wünscht sich dementsprechend schnell den nächsten Brocken herbei. Schritt für Schritt lernt man so die Charaktere mit ihren Stärken und Schwächen kennen, so dass man am Ende nur mit ihnen mitfiebern und – leiden kann.

Das zweite, was ich loben muss, ist der Soundtrack von Yoko Kanno, der sich jeder Situation im Anime gut anpasst. Wenn ich ihn mit nur einem Wort generell beschreiben müsste, so wäre „melancholisch“ ganz klar weit vorne. Er unterstreicht oftmals wunderbar die düstere Welt, in der Wolf’s Rain spielt und die langsam den Bach heruntergeht. Jedoch, in den wenigen Momenten, die fröhlich und unbeschwert sind, spiegelt der Soundtrack das ebenfalls ohne Probleme wieder. Auch nicht zu verachten sind das Opening „Stray“ und das Ending „Gravity“; ersteres drückt mit seinem Songtext sehr treffend das Lebensgefühl der Wölfe (vor allem von Kiba) aus, während letzteres eher ruhig und nüchtern herüberkommt, jedoch auch ein Gefühl von stiller Hoffnung vermittelt.

Zu guter Letzt haben mir noch die Animationen sehr gut gefallen. Vor allem die fließenden, aber dennoch realistischen Bewegungen der Wölfe sind da ein gutes Beispiel. Jedoch gibt es auch abseits dessen unzählige schön animierte Szenen, die einen einfach nur baff zurücklassen. Trotzdem, dass der Anime mittlerweile 15 Jahre alt ist, ist er dennoch gut gealtert und visuell oft sehr ansprechend.

Bei all dem Lob gab es aber auch Aspekte, die mir dagegen weniger gut am Anime gefielen.
Der erste dieser Punkte ist der Charakter Cheza. Ich hatte oben erwähnt, dass es eine Figur gab, mit der ich partout nichts anfangen konnte, und ja, das bezog sich auf sie. Für mich war Cheza einfach die Verkörperung einer Mary Sue – sie ist ein perfekter und wunderschöner Charakter, der makellos ist und um den sich alles dreht, sobald sie in der Handlung auftaucht. Und ich meine wirklich ALLES. Alle Wölfe fühlen sich von Anfang an zu ihr hingezogen, ohne dass sie groß etwas tun muss; selbst Tsume, der nicht gerade zu den zutraulichsten Charakteren zählt, verliert relativ schnell seine harte Schale in ihrer Gegenwart. Sehr schnell wollen alle ihr gefallen, und für sie Sachen tun, insbesondere Kiba. Er nimmt sie in Schutz, wann immer es geht, und wehe jemand kommt ihr zu nah bzw. will etwas tun, was in Kibas Augen schlecht für Cheza ist oder ist ihr skeptisch gegenüber. Dann ist derjenige gleich nicht gut genug für Cheza bzw. will ihr mit seinen Aktionen nur Böses.

[SPOILER]Sehr gern erinnere ich mich da an Episode 10, in der die Truppe im Wald des Todes landet und Hige Cheza einen Käfer zum Essen anbietet. Doch ehe es dazu kommt, tritt Kiba blitzschnell zwischen die beiden und schlägt Hige den Käfer aus der Hand, ehe er ihn harsch anfährt, dass sie so etwas nicht essen würde. Im Nachhinein ist das logisch – Cheza wurde aus Mondblumen erschaffen und Pflanzen wie Blumen werden gern von Käfern angeknabbert. Dennoch, Hige hatte nur gute Intentionen, Kibas Reaktion war da meiner Meinung nach unnötig aggressiv. Eine ruhige Erklärung an der Stelle hätte es auch getan.

Ein weiteres gutes Beispiel aus der gleichen Folge – später gerät die Gruppe in eine Berghöhle und verliert darin die Orientierung. Kiba ist sichtlich erschöpft, während er Cheza auf dem Rücken trägt, schlägt aber Toboes Angebot harsch in den Wind mit ihm zu tauschen. Ja, Toboe ist kleiner als Kiba und ihm würde es wohl deutlich schwerer fallen etwas auf seinem Rücken zu tragen. Allerdings reden wir hier nicht von einem Menschen oder Wolf, die Einiges wiegen können, sondern von Cheza, einem Wesen, was aus Blumen geschaffen wurde und anscheinend nicht so schwer sein kann, weil sie in Folge 7 wie eine Blume durch die Luft segeln und ohne Verletzungen landen konnte. Also wäre Toboe bei dem geringen Gewicht von ihr durchaus in der Lage sie zu tragen, aber nein, Kiba lässt das nicht zu, weil er viel zu besitzergreifend ist und der Meinung ist als Einziger sich adäquat um sie kümmern zu können.[/SPOILER]

Wenn Cheza nicht gerade den Weg für die Wölfe vorgibt, versucht jemand sie zu fangen, zu töten oder jemand (meistens Kiba) beschützt sie. Diese „Handlung“ ging mir irgendwann so sehr auf die Nerven, so dass ich wirklich die kurzen Szenen im Anime genossen habe, in denen Cheza abwesend war.
Und ja, einige werden jetzt den Einwand äußern, dass sie ja als Blumenjungfrau den Schlüssel zum Erreichen des Paradieses darstellt und deswegen wichtig für die Handlung ist. Ja, das mag durchaus sein, aber das ändert dennoch nichts an der Tatsache, dass sie eine Mary Sue ist – ein Charakter von übertriebener Schönheit, der keinerlei Fehler hat, zu dem sich jeder hingezogen fühlt bzw. für den JEDER ein Interesse hat, in welcher Form auch immer.
Für mich persönlich hätten es an Stelle eines so perfekten und fehlerlosen Übercharakters generell Mondblumen als Wegweiser zum Paradies auch getan, zumal das in Episode 5 sogar kurz angesprochen wurde. Auch wenn es diese in der Welt von Wolf’s Rain kaum mehr gibt – Cheza wurde künstlich vor langer Zeit erschaffen, was spräche also dagegen anstatt dessen Mondblumen künstlich zu reproduzieren? Ja, man müsste infolge dessen eventuell die Handlung umschreiben, aber das Ziel (das Erreichen vom Paradies) würde dennoch das Gleiche bleiben.

Sauer stoß mir auch die Unlogik auf, die sich für mich vor allem am Ende des Anime mit dem finalen Bösewicht gezeigt hat.

[SPOILER]Ich meine, Darcia? Ernsthaft?! Für mich war Darcia zwar ein Antagonist, jedoch hatte er klar seinen Willen verloren das Paradies zu öffnen, als Hamona in Episode 14 endgültig gestorben ist. Darcia selbst sagte danach Sachen wie „Now that I have lost you, Paradise has no meaning for me” und “I no longer have any need for a future”. Klingt das nach jemandem, der jetzt noch das Paradies öffnen will? Ich denke nicht. Und ja, er geht auf seine Motive nach Jaguaras Tod ein, dass er auch neben Kiba auserwählt wurde das Paradies zu öffnen und es ihn auch rufen würde. Dennoch fiel bis zu diesem Zeitpunkt diese Motivation nie in einem Gespräch und zudem ist dieser Moment in einem Wimpernschlag vorüber.
Ich denke ich hätte Darcias Beweggründe eher nachvollziehen können, wenn man mehr darauf eingegangen wäre, anstatt bei jeder Gelegenheit hervorzuheben, dass das Hauptmotiv zum großen Teil die Wiedervereinigung mit seiner Geliebten sei. So aber konnte mich sein Auftauchen am Ende nicht überzeugen und es kam für mich eher so herüber, als ob man unbedingt am Ende einen Bösewicht einfügen wollte und dafür Darcia herhalten musste.[/SPOILER]

Ebenfalls war ich kein großer Fan des Handlungsflusses. Während in den ersten 25 Episoden außer dem Ausbauen der Charaktere nur wenig Handlungsrelevantes passierte, ging es in den letzten fünf Episoden Schlag auf Schlag zu. Man hatte kaum Zeit das eben Geschehene zu verarbeiten, da kam schon der nächste Batzen Handlung. So kam mir auch das Ende sehr übereilt vor, dem hätte man etwas mehr Zeit zum Atmen geben und dafür die unnötigen vier Fillerepisoden (Folge 15 – 18) weglassen können.

Am Ende habe ich Wolf’s Rain gegenüber sehr gemischte Gefühle. Auf der einen Seite mochte ich die Charaktere, zu denen ich mit der fortschreitenden Handlung immer mehr und mehr erfuhr und die mir am Ende alle sehr and Herz gewachsen waren. Auch der atmosphärische Soundtrack und die wunderschönen Animationen konnten mich begeistern.
Was allerdings gar nicht ging, war die schamlose Verwendung einer Mary Sue als Handlungsgegenstand, das Vorhandensein von grober Unlogik sowie der unausgeglichene Handlungsfluss. Leider muss ich sagen, dass für mich am Ende die negativen Punkte deutlich überwiegen und ich mir somit den Anime wohl kein weiteres Mal anschauen werde.

Bewertung: 1,5 / 5

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